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Changed Lives|Pastor's Blog
Leid

Wenn ich Gott Wäre, Würde ich All dem Schmerz ein Ende Setzen

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Wenn ich Gott Wäre, Würde ich All dem Schmerz ein Ende Setzen

Die Frage, die uns alle umtreibt: Warum lässt Gott Leid zu?

Basierend auf John P. Dicksons If I Were God, I’d End All the Pain

Eine Frage, die uns nicht loslässt

„Wenn ich Gott wäre, würde ich all dem Schmerz ein Ende setzen.“

Wie oft haben wir diesen Gedanken schon selbst gehabt? Oder ihn von anderen gehört?

Wenn wir einem Menschen begegnen, der schwer krank ist. Wenn ein Kind stirbt. Wenn wir Bilder aus Kriegsgebieten sehen. Wenn Menschen Opfer von Gewalt, Missbrauch oder Katastrophen werden. Wenn wir selbst einen geliebten Menschen verlieren.

Dann drängt sich die Frage fast zwangsläufig auf:

Warum greift Gott nicht ein?

Wenn Gott allmächtig ist, müsste er doch etwas tun können. Und wenn Gott wirklich liebt, müsste er doch etwas tun wollen.

Warum tut er es dann nicht?

Ist Gott vielleicht machtlos? Ist er gleichgültig? Oder ist die Existenz von Leid am Ende ein Hinweis darauf, dass es Gott gar nicht gibt?

Der australische Theologe und Historiker John P. Dickson stellt sich dieser Frage in seinem Buch If I Were God, I’d End All the Pain mit bemerkenswerter Ehrlichkeit.

Für ihn ist das Thema nicht nur Theorie.

Als Dickson neun Jahre alt war, kam sein Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Seine erste große Frage an Gott lautete sinngemäß:

Warum hast du Papas Flugzeug abstürzen lassen?

Dickson schreibt, dass er an der biblischen Perspektive nicht deshalb festhält, weil sie jedes Problem restlos erklärt oder ein unwiderlegbares philosophisches Argument liefert. Er hält an ihr fest, weil sie für ihn die Perspektive ist, die der Wucht dieser uralten Frage standhält.

Vielleicht beantwortet die Bibel nicht jedes einzelne „Warum?“.

Aber sie gibt uns einen Rahmen, in dem wir angesichts von Leid weiterdenken, weiterhoffen und sogar weiterglauben können.


Das Problem: Ist Leid ein logischer Widerspruch zu Gott?

Das klassische Argument gegen den Glauben an Gott klingt ungefähr so:

Wenn Gott allmächtig ist, kann er Leid beenden.

Wenn Gott vollkommen liebevoll ist, will er Leid beenden.

Aber Leid existiert.

Also ist Gott entweder nicht allmächtig, nicht vollkommen liebevoll – oder er existiert nicht.

Auf den ersten Blick scheint das schlüssig.

Doch John Dickson greift hier einen Gedanken des Philosophen Alvin Plantinga auf.

Die Existenz von Leid wäre nur dann ein zwingender Beweis gegen Gott, wenn wir gleichzeitig zeigen könnten, dass ein vollkommen guter Gott niemals einen ausreichenden Grund haben könnte, Leid zumindest zeitweise zuzulassen.

Und genau das können wir nicht.

Denn zu sagen:

„Ich kann keinen guten Grund erkennen.“

ist etwas anderes als zu sagen:

„Es kann keinen guten Grund geben.“

Unsere Perspektive auf die Wirklichkeit ist begrenzt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass damit das Problem des Leidens gelöst wäre.

Denn selbst wenn wir intellektuell akzeptieren, dass Gott möglicherweise Gründe hat, die wir nicht sehen, bleibt die viel tiefere Frage bestehen:

Warum lässt er es zu?


Das eigentliche Problem ist nicht nur intellektuell

Dickson macht einen wichtigen Unterschied.

Die wirkliche Frage lautet normalerweise nicht:

„Kann die Existenz eines guten Gottes logisch mit einer leidenden Welt vereinbar sein?“

Die viel persönlichere Frage lautet:

„Warum würde Gott so etwas zulassen?“

Und:

„Was hat Gott gegen das Leid getan?“

Das Problem des Leidens ist deshalb nicht nur ein philosophisches Problem.

Es ist ein emotionales.

Ein existenzielles.

Ein persönliches.

Ein Mensch, der gerade sein Kind verloren hat, braucht nicht zuerst eine ausgefeilte philosophische Beweisführung.

Er fragt:

Warum?

Warum mein Kind?

Warum diese Krankheit?

Warum dieser Unfall?

Warum hat Gott nicht eingegriffen?

Darum lohnt es sich, nicht nur zu fragen, welche Weltanschauung das Leid theoretisch erklären kann.

Wir sollten auch fragen:

Welche Perspektive ist lebenswert, wenn das Leid uns selbst trifft?


Was bieten andere Weltanschauungen?

John Dickson schaut sich deshalb verschiedene religiöse und philosophische Antworten an.

Nicht, um andere Religionen oberflächlich abzuwerten, sondern um zu fragen:

Was sagt diese Sicht einem Menschen, der leidet?


Hinduismus: Leid als Folge des Karma

In hinduistischen Vorstellungen kann gegenwärtiges Leid als Folge des Karmas verstanden werden.

Was ein Mensch in einem früheren Leben getan hat, wirkt sich auf sein jetziges Leben aus.

Leid bekommt dadurch eine moralische Erklärung.

Aber genau darin liegt auch das Problem.

Was sagen wir einem schwerkranken Kind?

Dass es seine Krankheit letztlich durch Taten in einem früheren Leben verdient hat?

Was sagen wir einem Opfer von Gewalt?

Dass das Leiden Teil einer karmischen Vergeltung ist?

Diese Sicht kann das Leid erklären.

Aber sie kann dem Leidenden zugleich die Last vermitteln:

Dein Leiden hat etwas mit deiner eigenen Schuld zu tun.


Buddhismus: Leid und das Festhalten

Der Buddhismus setzt an einem anderen Punkt an.

Leid entsteht wesentlich durch unser Begehren und unser Festhalten an Dingen, Menschen und Umständen, die vergänglich sind.

Der Weg zur Befreiung führt über das Loslassen.

John Dickson verweist dabei auf den buddhistischen Dichter Issa.

Issa verlor mehrere seiner Kinder.

Nach dem Tod seiner kleinen Tochter schrieb er sinngemäß:

Diese Welt ist wie Tau – vergänglich und flüchtig. Und doch, und doch.

Gerade dieses „und doch“ ist eindrücklich.

Man kann wissen, dass alles vergänglich ist.

Und trotzdem trauern.

Man kann verstehen, dass Festhalten Schmerz verursacht.

Und trotzdem sein Kind vermissen.

Das Leid lässt sich nicht einfach dadurch überwinden, dass wir uns innerlich von allem lösen, was uns etwas bedeutet.


Islam: Leid unter Gottes souveränem Willen

Der Islam betont sehr stark die absolute Souveränität Allahs.

Alles steht unter seinem Willen.

Nichts geschieht außerhalb seiner Herrschaft.

Diese Sicht gibt dem Leid zumindest einen Rahmen:

Es ist nicht zufällig.

Doch Dickson stellt hier eine schwierige Frage:

Wenn jedes einzelne Ereignis unmittelbar auf Gottes Willen zurückgeführt wird – auch Krankheit, Katastrophen, Gewalt oder Vergewaltigung –, wie lässt sich dann Gottes vollkommene Liebe verstehen?

Auch das Christentum glaubt an Gottes Souveränität.

Aber die Bibel zeichnet zugleich ein vielschichtiges Bild.

Sie spricht von menschlicher Freiheit.

Von Sünde.

Von einer gefallenen Schöpfung.

Von satanischem Wirken.

Von Gottes Geduld.

Von seinem Gericht.

Und schließlich von seiner Erlösung.

Nicht jedes Ereignis wird einfach mit dem Satz erklärt:

„Gott wollte genau das.“


Atheismus: Leid als bedeutungsloser Zufall

Der Atheismus bietet vielleicht die konsequenteste naturalistische Antwort.

Wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es auch keinen tieferen kosmischen Sinn hinter dem Leid.

Die Natur ist weder gut noch böse.

Sie ist einfach da.

Ein Erdbeben hasst niemanden.

Ein Virus verfolgt keinen Plan.

Eine genetische Mutation besitzt keine moralische Absicht.

Richard Dawkins beschreibt ein solches Universum als eine Wirklichkeit ohne übergeordneten Plan, ohne letztgültige Gerechtigkeit und ohne moralische Absicht.

Menschen haben Glück.

Andere haben Pech.

Manche sterben früh.

Andere leben lange.

Aber hinter diesen Dingen steht letztlich keine höhere Bedeutung.

Das ist zumindest eine konsequente Antwort.

Doch auch hier stellt sich eine Frage:

Können wir wirklich so leben?

Warum empfinden wir Ungerechtigkeit dann als wirklich ungerecht?

Warum protestieren wir innerlich gegen den Tod eines Kindes?

Warum sagen wir:

„Das darf nicht sein!“

Warum sehnen wir uns nach Gerechtigkeit?

Warum wünschen wir uns, dass Opfer eines Tages Recht bekommen?

Wenn das Universum moralisch gleichgültig ist, dann ist Leid letztlich tragisch – aber nicht im letzten Sinne ungerecht.

Die christliche Perspektive behauptet dagegen:

Unsere Empörung über das Böse verweist auf etwas Reales.

Die Welt ist nicht so, wie sie sein sollte.


Die Bibel lädt erstaunlicherweise zum Fragen ein

Einer der ungewöhnlichsten Aspekte des biblischen Glaubens ist, dass Gott unsere Fragen nicht aus der Bibel entfernt hat.

Im Gegenteil.

Die Bibel ist voller Menschen, die Gott fragen:

Warum?

Wie lange noch?

Wo bist du?

Warum greifst du nicht ein?

Psalm 22 beginnt mit den Worten:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Das ist kein Satz eines Atheisten.

Es ist ein Gebet.

Ein Gebet voller Schmerz.

John Dickson formuliert den Gedanken sehr treffend:

Der Gott der Bibel ist groß genug, dass wir ihn anzweifeln dürfen.

Unsere Fragen erschüttern ihn nicht.

Unsere Wut überrascht ihn nicht.

Unsere Klage überfordert ihn nicht.

Biblischer Glaube bedeutet deshalb nicht:

Ich habe keine Fragen mehr.

Glaube kann auch bedeuten:

Ich bringe meine Fragen zu Gott.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Der Zweifel muss nicht immer das Gegenteil des Glaubens sein.

Manchmal ist Zweifel ein Teil des Glaubens, wenn ich mit meiner Unsicherheit trotzdem zu Gott gehe.


Drei große biblische Antworten auf das Leid

Die Bibel gibt uns keine einfache Formel.

Sie sagt nicht:

„Hier sind drei Sätze, und damit lässt sich jedes Leid erklären.“

Stattdessen gibt sie uns einen großen Rahmen.

John Dickson hebt dabei drei zentrale Perspektiven hervor:

Gott verspricht Gerechtigkeit.

Gott verspricht Erneuerung.

Gott selbst trägt Wunden.


1. Das Versprechen der Gerechtigkeit

Die Tyrannei des menschlichen Willens

Ein erheblicher Teil des Leidens auf dieser Welt entsteht durch Menschen.

Krieg.

Gewalt.

Missbrauch.

Unterdrückung.

Ausbeutung.

Betrug.

Hass.

Menschen tun anderen Menschen Dinge an, die erschütternd sind.

Warum hat Gott uns überhaupt die Möglichkeit gegeben, so zu handeln?

Dickson spricht in diesem Zusammenhang von menschlicher Freiheit.

Gott hat uns als Wesen geschaffen, die echte Entscheidungen treffen können.

Wir sind keine Maschinen.

Keine Computer.

Keine Roboter.

Wir können lieben.

Wir können vertrauen.

Wir können vergeben.

Wir können dienen.

Doch echte Freiheit bedeutet zwangsläufig auch, dass wir diese Freiheit missbrauchen können.

Wir können uns gegen Gott entscheiden.

Wir können uns gegen andere Menschen entscheiden.

Wir können unseren eigenen Willen zum höchsten Maßstab machen.

Und genau das geschieht.

Die Bibel nennt diesen Zustand Sünde.


Warum verhindert Gott nicht jede böse Entscheidung?

Hier liegt eine der schwierigsten Fragen überhaupt.

Warum stoppt Gott einen Täter nicht unmittelbar?

Warum greift er nicht in jeder Situation ein?

Man könnte sich eine Welt vorstellen, in der Gott jede falsche Entscheidung sofort unmöglich macht.

Jemand hebt die Hand, um einen anderen zu schlagen – und sein Arm erstarrt.

Jemand will lügen – und kein Wort kommt heraus.

Jemand will stehlen – und seine Hand kann den Gegenstand nicht greifen.

Vielleicht wäre eine solche Welt schmerzärmer.

Doch wären wir dort noch wirklich frei?

John Dickson zieht an dieser Stelle die Parallele zu The Truman Show.

Truman lebt in einer vollkommen kontrollierten Welt.

Fast alles um ihn herum ist geplant.

Die Menschen spielen Rollen.

Gefahren werden kontrolliert.

Sein Leben ist scheinbar sicher.

Doch irgendwann entdeckt Truman:

Es ist nicht wirklich sein Leben.

Andere bestimmen es.

Und am Ende entscheidet er sich für die echte Welt – obwohl sie unberechenbar und gefährlich ist.

Freiheit hat einen Preis.

Aber eine Welt ohne Freiheit hätte ebenfalls einen gewaltigen Preis.


Freiheit bedeutet nicht, dass Gott das Böse ignoriert

Die Bibel sagt nicht:

„Menschen sind eben frei, also muss man mit dem Bösen leben.“

Sie spricht von einem kommenden Gericht.

Das ist für moderne Menschen oft ein unangenehmes Thema.

Doch wir sollten das Gericht einmal aus der Perspektive eines Opfers betrachten.

Was bedeutet es für einen Menschen, der missbraucht wurde?

Für jemanden, dessen Familie ermordet wurde?

Für Menschen, die unter einem Diktator leiden?

Für Opfer von Menschenhandel?

Für jemanden, dessen Täter niemals vor einem menschlichen Gericht zur Verantwortung gezogen wurde?

Die Botschaft der Bibel lautet:

Gott hat es gesehen.

Und:

Gott wird richten.

Das Böse wird nicht einfach im Lauf der Geschichte verschwinden.

Kein Täter kann sich am Ende hinter Macht, Geld, Einfluss oder seinem eigenen Tod verstecken.

Deshalb kann die biblische Lehre vom Gericht eine zutiefst tröstliche Botschaft sein.

Sie bedeutet:

Ungerechtigkeit wird nicht das letzte Wort haben.


Warum wartet Gott dann?

Wenn Gott richten wird, warum tut er es nicht sofort?

Der zweite Petrusbrief gibt darauf eine bemerkenswerte Antwort:

„Der Herr verzögert nicht die Verheißung … sondern er ist geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand verloren werde, sondern dass alle zur Umkehr kommen.“

Gottes Geduld bedeutet nicht automatisch Gleichgültigkeit.

Sie bedeutet auch Barmherzigkeit.

Gott gibt Menschen Zeit umzukehren.

Und plötzlich merken wir:

Wir wünschen uns Gottes Gericht über das Böse.

Aber gleichzeitig brauchen wir selbst Gottes Barmherzigkeit.

Denn das Böse befindet sich nicht nur bei „den anderen“.

Es verläuft auch durch unser eigenes Herz.


2. Das Versprechen der Erneuerung

Doch die menschliche Freiheit erklärt nicht alles.

Was ist mit Krankheit?

Was ist mit Krebs?

Was ist mit genetischen Defekten?

Was ist mit Erdbeben?

Was ist mit Naturkatastrophen?

Was ist mit Viren?

Hier führt die Bibel uns noch einen Schritt weiter.


Die ganze Schöpfung ist betroffen

Die biblische Geschichte beginnt mit einer Welt, die Gott als sehr gut bezeichnet.

Krankheit, Tod und Zerstörung gehören nicht zu Gottes ursprünglichem Ideal.

Doch Genesis 3 erzählt vom Bruch zwischen Mensch und Gott.

Und dieser Bruch betrifft nicht nur unsere persönliche Beziehung zu Gott.

Die gesamte Schöpfung gerät aus ihrer ursprünglichen Ordnung.

Paulus beschreibt das in Römer 8.

Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen.

Sie seufzt.

Sie wartet auf Erlösung.

John Dickson beschreibt es sehr anschaulich:

Von unserer DNA bis zu den tektonischen Platten ist die physische Welt von Vergänglichkeit, Frustration und Chaos geprägt.

Die Welt ist weiterhin wunderschön.

Aber sie ist nicht mehr heil.

Das erklärt, warum wir gleichzeitig zwei Dinge erleben:

unglaubliche Schönheit

und erschütternde Zerbrochenheit.


Die christliche Hoffnung ist nicht die Flucht aus dieser Welt

Hier unterscheidet sich die biblische Hoffnung deutlich von Vorstellungen, bei denen Erlösung vor allem darin besteht, die materielle Welt hinter sich zu lassen.

Die christliche Hoffnung lautet nicht:

Irgendwann entkommen wir dieser Welt.

Sie lautet:

Gott wird diese Welt erneuern.

Offenbarung 21 gibt uns einen Blick auf diese Zukunft:

„Er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“

Und Gott sagt:

„Siehe, ich mache alles neu.“

Das ist eine erstaunliche Aussage.

Nicht:

„Ich werfe alles weg.“

Sondern:

„Ich mache alles neu.“

Die christliche Hoffnung ist eine Hoffnung auf Wiederherstellung.

Eine neue Schöpfung.

Ein neuer Himmel.

Eine neue Erde.

Auferstandene Menschen.

Leben ohne Krankheit.

Leben ohne Tod.

Leben ohne Schmerz.


Was bedeutet das für einen kranken Menschen?

Dickson erzählt von einem Vater namens Nathan, dessen Tochter Ali schwer krank ist.

Für diesen Vater ist die christliche Hoffnung nicht abstrakt.

Wenn Gott wirklich alles neu macht, dann bedeutet das konkret:

Seine Tochter wird eines Tages gesund sein.

Sie wird laufen.

Sie wird spielen.

Ihr Körper wird nicht mehr von Krankheit bestimmt sein.

Das ist christliche Auferstehungshoffnung.

Sie sagt nicht nur:

„Deine Seele wird irgendwann irgendwo sein.“

Sie sagt:

„Gott wird den Menschen erneuern.“


Die Auferstehung Jesu ist das Versprechen dafür

Aber warum sollten wir das glauben?

Ist das nicht nur Wunschdenken?

Dicksons Antwort ist entscheidend:

Die gegenwärtige Schöpfung zeigt, dass Gott die Macht besitzt, eine Welt zu erschaffen.

Die Auferstehung Jesu zeigt, dass Gott die Absicht hat, sie zu erneuern.

Die Auferstehung ist deshalb nicht irgendein Zusatz zum christlichen Glauben.

Sie ist der Anfang von Gottes neuer Schöpfung.

Jesus starb.

Und Jesus wurde körperlich auferweckt.

Der Tod wurde in einem konkreten Menschen durchbrochen.

Darum nennt Paulus Jesus den „Erstling“ der Auferstehung.

Was an ihm begonnen hat, wird eines Tages die gesamte Schöpfung erfassen.

Die Auferstehung Jesu ist Gottes Versprechen:

Der Tod wird nicht gewinnen.


3. Die Wunden Gottes

Vielleicht ist das die tiefste Antwort des Christentums auf die Frage nach dem Leid.

Gott steht nicht unberührt außerhalb unserer Welt.

Er kommt hinein.

John Dickson nennt den Gott der Bibel sinngemäß nicht den „unbewegten Beweger“, sondern den tief bewegten Beweger.

Gott bewegt die Welt.

Aber er lässt sich zugleich vom Leid der Menschen bewegen.


Gott selbst leidet

Das ist eine erstaunliche Aussage.

Im Zentrum des christlichen Glaubens steht kein Gott, der aus sicherer Distanz erklärt, warum Menschen leiden.

Im Zentrum steht ein gekreuzigter Gott.

Jesus wurde verraten.

Verlassen.

Verspottet.

Geschlagen.

Ausgepeitscht.

Gedemütigt.

Gekreuzigt.

Er kennt körperlichen Schmerz.

Er kennt Ablehnung.

Er kennt Verrat.

Er kennt Einsamkeit.


Jesus schreit unser „Warum?“

Am Kreuz ruft Jesus:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Es sind die Worte von Psalm 22.

Vielleicht ist das einer der tiefsten Sätze der ganzen Bibel.

Denn Jesus nimmt damit den Schrei jedes leidenden Menschen auf.

Warum?

Warum Gott?

Warum hast du das zugelassen?

Warum greifst du nicht ein?

Warum scheint der Himmel still zu sein?

Der christliche Glaube antwortet auf diese Fragen nicht mit einem Gott, der sagt:

„Ich weiß nicht, wie sich das anfühlt.“

Er gibt uns einen Gott, der selbst diesen Schrei gesprochen hat.


Gott leidet nicht nur mit uns, sondern für uns

Doch das Kreuz bedeutet nach biblischem Verständnis noch mehr.

Jesus identifiziert sich nicht nur mit unserem Leid.

Er trägt auch unsere Schuld.

John Dickson fasst diesen Gedanken sinngemäß so zusammen:

Am Kreuz steht Gott nicht nur an unserer Seite. Er steht an unserer Stelle.

Jesus trägt die Folgen unserer Rebellion gegen Gott.

Er nimmt Schuld auf sich.

Er bietet Vergebung.

Er bietet Versöhnung.

Er bietet Barmherzigkeit.

Das Kreuz ist deshalb gleichzeitig:

ein Zeichen des Leidens Gottes

und

ein Zeichen der rettenden Liebe Gottes.


Ein Gott mit Wunden

Nach dem Ersten Weltkrieg schrieb der englische Dichter Edward Shillito ein eindrückliches Gedicht.

Die Welt hatte etwas erlebt, das viele Menschen sprachlos machte.

Millionen Tote.

Verstümmelte Körper.

Traumatisierte Soldaten.

Unvorstellbares Leid.

Shillito schrieb sinngemäß:

Zu unseren Wunden können nur Gottes Wunden sprechen.

Das ist eine der stärksten Aussagen über die Einzigartigkeit der christlichen Hoffnung.

Der Gott des Christentums trägt Wunden.

Der auferstandene Jesus trägt sogar noch die Narben der Kreuzigung.

Thomas darf sie sehen.

Der auferstandene Christus ist nicht jemand, der sein Leiden einfach vergessen hat.

Er ist der verwundete und auferstandene Herr.


Wir verstehen nicht alle Wege Gottes – aber wir sehen sein Herz

Damit kommen wir vielleicht an einen entscheidenden Punkt.

Die Bibel beantwortet nicht jede einzelne Frage.

Warum hat Gott diesen Unfall zugelassen?

Warum wurde diese Person krank?

Warum starb dieses Kind?

Warum wurde dieses Gebet nicht so beantwortet, wie wir gehofft haben?

Auf viele dieser Fragen haben wir keine sichere Antwort.

Und wir sollten vorsichtig sein, Antworten zu erfinden, die Gott selbst uns nicht gegeben hat.

Doch Dickson sagt sinngemäß etwas Entscheidendes:

Vielleicht verstehe ich nicht alle Wege Gottes.

Aber am Kreuz sehe ich sein Herz.

Das Kreuz zeigt:

Gott ist nicht gleichgültig.

Gott ist nicht kalt.

Gott steht nicht unberührt über unserem Leid.

Er hat sein Herz sichtbar gemacht.


Was bedeutet das praktisch für Menschen, die leiden?

Theologie über Leid darf niemals nur Theorie bleiben.

Denn irgendwann sitzt uns vielleicht ein Mensch gegenüber, der nicht wissen möchte, wie wir das Problem philosophisch lösen.

Er weint.

Er ist enttäuscht.

Vielleicht ist er wütend auf Gott.

Was können wir ihm sagen?


1. Deine Fragen sind erlaubt

Du darfst Gott fragen:

Warum?

Du darfst enttäuscht sein.

Du darfst wütend sein.

Du darfst klagen.

Die Psalmen zeigen uns:

Gott möchte keine religiöse Fassade.

Er möchte Ehrlichkeit.

Glaube bedeutet nicht, dass du Gott gegenüber so tun musst, als würde es dir gut gehen.

Du darfst ihm sagen, wie es dir wirklich geht.


2. Gott versteht deinen Schmerz

Der Gott des Christentums kennt Leid nicht nur theoretisch.

Jesus hat geweint.

Jesus hat Schmerzen erlebt.

Jesus wurde verlassen.

Jesus wurde verraten.

Jesus hat den Tod erlebt.

Darum glauben Christen nicht an einen Gott, der nur aus großer Entfernung zusieht.

In Jesus ist Gott in unser Leid hineingekommen.


3. Ungerechtigkeit wird nicht das letzte Wort haben

Vielleicht bist du Opfer von etwas geworden, das niemals vollständig aufgearbeitet wurde.

Vielleicht ist ein Täter davongekommen.

Vielleicht hat niemand gesehen, was dir angetan wurde.

Die christliche Hoffnung lautet:

Gott hat es gesehen.

Und er wird Gerechtigkeit herstellen.

Das Böse wird nicht für immer triumphieren.


4. Krankheit und Tod haben nicht das letzte Wort

Die christliche Hoffnung ist größer als die Hoffnung auf ein angenehmeres Leben.

Sie ist größer als die Hoffnung auf Heilung in diesem Leben.

Natürlich dürfen wir um Heilung beten.

Natürlich glauben wir, dass Gott heute eingreifen kann.

Aber selbst wenn Heilung ausbleibt, ist die Geschichte nicht vorbei.

Die letzte Hoffnung des Christentums lautet:

Auferstehung.

Es kommt eine Welt, in der Krankheit nicht mehr existiert.

Tod nicht mehr existiert.

Trauer nicht mehr existiert.

Schmerz nicht mehr existiert.


5. Gottes Barmherzigkeit gilt auch uns

Beim Thema Leid sehen wir uns verständlicherweise häufig als Opfer einer zerbrochenen Welt.

Doch die Bibel erinnert uns auch daran:

Wir sind nicht nur Leidende.

Wir sind auch Teil des Problems.

Auch wir haben Menschen verletzt.

Auch wir haben Schuld.

Auch wir haben Gottes gute Ordnung missachtet.

Darum brauchen wir nicht nur einen Gott, der uns tröstet.

Wir brauchen einen Gott, der uns vergibt.

Genau das bietet das Kreuz.

Jesus trägt unsere Schuld und lädt uns zur Versöhnung mit Gott ein.


Die biblische Perspektive beantwortet nicht jedes Warum

Vielleicht ist das wichtig festzuhalten.

Das Christentum besitzt keine einfache Erklärung für jedes konkrete Leid.

Und manchmal haben Christen anderen Menschen Schaden zugefügt, weil sie unbedingt eine Erklärung liefern wollten.

„Gott wollte dir damit etwas zeigen.“

„Das musste passieren.“

„Gott brauchte einen Engel im Himmel.“

„Du musst nur genug glauben.“

Solche Sätze können einen leidenden Menschen zusätzlich verwunden.

Die Bibel selbst ist oft zurückhaltender.

Das Buch Hiob ist ein gutes Beispiel.

Hiobs Freunde versuchen ständig, sein Leid zu erklären.

Sie bauen theologische Systeme.

Sie suchen Ursachen.

Sie argumentieren.

Doch am Ende werden gerade ihre einfachen Erklärungen von Gott korrigiert.

Nicht jedes Leid lässt sich erklären.


Aber die Bibel gibt uns eine Geschichte, in der Leid nicht gewinnt

Das ist vielleicht die eigentliche Stärke der christlichen Perspektive.

Sie sagt nicht:

Leid ist eine Illusion.

Sie sagt:

Leid ist real.

Sie sagt nicht:

Du hast dein Leid verdient.

Sie sagt:

Diese Welt ist zerbrochen.

Sie sagt nicht:

Alles ist nur Zufall.

Sie sagt:

Gott wird die Geschichte zu einem Ziel führen.

Sie sagt nicht:

Gott beobachtet dein Leid aus sicherer Entfernung.

Sie sagt:

Gott selbst ist in diese Welt gekommen.

Sie sagt nicht:

Ungerechtigkeit wird für immer bestehen.

Sie sagt:

Gott wird richten.

Und sie sagt nicht:

Der Tod ist einfach ein natürlicher Bestandteil des Lebens.

Die Bibel nennt den Tod einen Feind.

Einen Feind, der vernichtet werden wird.


Was hat Gott gegen das Leid getan?

Vielleicht sollten wir deshalb neben der Frage:

„Warum lässt Gott Leid zu?“

noch eine zweite Frage stellen:

„Was hat Gott gegen das Leid getan?“

Die christliche Antwort lautet:

Er ist in unsere Welt gekommen.

Er hat geweint.

Er hat gelitten.

Er hat unsere Schuld getragen.

Er ist gestorben.

Er ist auferstanden.

Und er hat versprochen zurückzukommen.

Er wird richten.

Er wird die Toten auferwecken.

Er wird die Schöpfung erneuern.

Er wird jede Träne abwischen.


Die letzte Perspektive, die noch steht

John Dickson schreibt, dass er sich an die biblische Perspektive nicht deshalb klammert, weil sie ein einziges durchschlagendes Argument bietet, das jede Frage beseitigt.

Sondern weil sie für ihn die Perspektive ist, die von der Wucht des Leidens nicht selbst zerstört wird.

Das finde ich bemerkenswert.

Denn die Bibel nimmt Leid ernst.

Sie beschönigt es nicht.

Sie erlaubt uns zu klagen.

Sie verspricht Gerechtigkeit.

Sie verspricht Erneuerung.

Und sie zeigt uns einen Gott, der selbst Wunden trägt.

Damit bietet die Bibel vielleicht nicht jede Antwort, nach der wir uns sehnen.

Aber sie gibt uns eine Hoffnung, mit der wir leben können.


Wenn du gerade selbst leidest

Vielleicht liest du diesen Artikel nicht aus theologischer Neugier.

Vielleicht hat deine Frage einen Namen.

Vielleicht geht es um einen Menschen, den du verloren hast.

Eine Diagnose.

Eine zerbrochene Beziehung.

Ein Trauma.

Ein unbeantwortetes Gebet.

Vielleicht fragst du Gott schon lange:

Warum?

Dann möchte ich dir nicht vorschnell erklären, warum Gott genau das zugelassen hat.

Vielleicht weiß ich es nicht.

Vielleicht weißt auch du es nicht.

Vielleicht wirst du es in diesem Leben nicht erfahren.

Aber ich möchte dich ermutigen:

Bring deine Fragen zu Gott.

Bring deine Wut zu Gott.

Bring deine Enttäuschung zu Gott.

Bring deine Tränen zu Gott.

Der Gott der Bibel hält sie aus.

Und wenn dir selbst die Worte fehlen, kannst du die Worte Jesu beten:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Aber vergiss eines nicht:

Die Geschichte Jesu endete nicht mit diesem Schrei.

Sie endete nicht am Kreuz.

Sie endete nicht im Grab.

Jesus ist auferstanden.

Und genau deshalb glauben Christen:

Auch unsere Geschichte endet nicht mit dem Tod.

Die Geschichte dieser Welt endet nicht mit Krieg.

Nicht mit Krebs.

Nicht mit Leid.

Nicht mit Friedhöfen.

Die letzte große Vision der Bibel ist eine Welt, in der Gott bei den Menschen wohnt.

Eine Welt, in der Gott jede Träne abwischt.

Eine Welt ohne Tod.

Ohne Trauer.

Ohne Geschrei.

Ohne Schmerz.

Und Gott sagt:

„Siehe, ich mache alles neu.“

Vielleicht verstehen wir heute nicht alle Wege Gottes.

Aber am Kreuz sehen wir sein Herz.

Und in der Auferstehung sehen wir seine Zukunft.

Das ist die christliche Hoffnung.


Weiterführende Literatur

Dieser Artikel basiert wesentlich auf den Gedanken von John P. Dickson in seinem Buch If I Were God, I’d End All the Pain: Struggling with Evil, Suffering and Faith.

Zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema sind außerdem hilfreich:

  • John P. Dickson: If I Were God, I’d End All the Pain
  • Christopher Ash: Why Did God Let That Happen?
  • Curt Thompson: The Deepest Place
  • Rob Renfroe: A Way Through the Wilderness: Growing in Faith When Life Is Hard
  • Clay Jones: Why Does God Allow Evil?

Die biblische Perspektive gibt uns keine einfache Formel für jedes Leid.

Aber sie gibt uns vier starke Wahrheiten:

Wir dürfen fragen.

Gott wird gerecht richten.

Gott wird die Schöpfung erneuern.

Und Gott selbst trägt Wunden.

Vielleicht ist genau deshalb diese Perspektive tatsächlich eine, mit der man nicht nur argumentieren, sondern auch leben kann.

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