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Changed Lives|Pastor's Blog
Alle Fragen

Ist Krankheit von Gott, oder vom Teufel?

Gefragt von Anonym·Beantwortet von Jürgen Justus

Die Frage nach dem Ursprung von Krankheit gehört zu den tiefsten und existenziellsten Fragen des Glaubens. Gerade wenn wir selbst krank werden oder einen Menschen leiden sehen, den wir lieben, drängt sich die Frage auf: Woher kommt das? Hat Gott diese Krankheit geschickt? Ist sie eine Folge von Sünde? Steckt der Teufel dahinter? Oder gehört Krankheit einfach zum Leben?

Die Bibel gibt darauf keine einfache Antwort. Sie warnt uns geradezu davor, jedes Leiden mit einer einzigen Erklärung versehen zu wollen.

Zwei Extreme werden dem biblischen Zeugnis nicht gerecht:

„Jede Krankheit ist eine Strafe Gottes.“

Ebenso wenig:

„Hinter jeder Krankheit steckt unmittelbar ein Dämon.“

Die Bibel zeichnet ein differenzierteres Bild. Sie spricht von einer gefallenen Schöpfung, vom zerstörerischen Wirken des Bösen, von Gottes Souveränität – und zugleich von einer Hoffnung, die über Krankheit und Tod hinausgeht.


1. Krankheit gehört zur gebrochenen Schöpfung

Der Ausgangspunkt der Bibel ist erstaunlich positiv: Krankheit gehört nicht zu Gottes ursprünglicher Schöpfungsabsicht.

In Genesis 1 und 2 begegnet uns eine Welt, die Gott als „sehr gut“ bezeichnet. Krankheit, Verfall und Tod bestimmen diese Schöpfung noch nicht.

Erst mit dem Sündenfall verändert sich die Situation grundlegend. Die Trennung des Menschen von Gott betrifft nicht nur seine Beziehung zu seinem Schöpfer. Die gesamte Schöpfung gerät unter die Macht von Vergänglichkeit und Tod.

Paulus schreibt:

„Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt.“

— Römer 8,22

Wir leben also nicht mehr in Eden. Unsere Körper altern. Zellen verändern sich. Gene können Defekte aufweisen. Viren und Bakterien können Krankheiten auslösen. Menschen erleiden Unfälle. Organe versagen.

Das bedeutet etwas seelsorglich sehr Wichtiges:

Wer krank wird, ist deshalb nicht automatisch persönlich schuld an seiner Krankheit.

Jesus widerspricht ausdrücklich der Vorstellung, man könne vom Ausmaß des Leidens eines Menschen auf das Ausmaß seiner persönlichen Schuld schließen (vgl. Johannes 9,1–3; Lukas 13,1–5).

Krankheit ist grundsätzlich eine Folge davon, dass wir in einer gefallenen und vergänglichen Welt leben – nicht automatisch die Folge einer bestimmten persönlichen Sünde.


2. Krankheit kann mit dem Wirken des Bösen verbunden sein

Gleichzeitig geht die Bibel noch einen Schritt weiter. Sie kennt Situationen, in denen Krankheit ausdrücklich mit dem Wirken Satans verbunden wird.

Ein besonders deutliches Beispiel finden wir in Lukas 13. Jesus begegnet einer Frau, die seit achtzehn Jahren schwer körperlich beeinträchtigt ist. Über sie sagt er:

„Diese aber, die doch eine Tochter Abrahams ist, die der Satan gebunden hat, siehe, achtzehn Jahre lang, sollte sie nicht von dieser Fessel gelöst werden?“

— Lukas 13,16

Auch bei Hiob wird Satan als derjenige beschrieben, der ihn mit Geschwüren schlägt (Hiob 2,7).

Und Petrus fasst den Dienst Jesu später so zusammen:

„…wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren.“

— Apostelgeschichte 10,38

Das bedeutet: Die Bibel kennt einen geistlichen Zusammenhang zwischen Krankheit und dem zerstörerischen Wirken des Bösen.

Aber daraus dürfen wir nicht den Umkehrschluss ziehen, dass jede Krankheit unmittelbar dämonisch verursacht ist.

Nicht jeder Infekt braucht Befreiungsgebet. Nicht jede Depression, jeder Tumor oder jede chronische Erkrankung ist ein Hinweis auf dämonische Belastung. Die Bibel selbst macht diese Gleichsetzung nicht.

Wo das Böse zerstört, begegnet Jesus ihm jedoch mit dem Reich Gottes. Er hat Mitleid mit Kranken, betet für sie, heilt sie und befreit Menschen.

Krankheit wird bei Jesus niemals romantisiert.


3. Und welche Rolle spielt Gott?

Hier entsteht die schwierigste Frage: Wenn Gott allmächtig ist, warum verhindert er Krankheit dann nicht?

Die Bibel antwortet darauf nicht mit einem kosmischen Kampf zweier ungefähr gleich starker Mächte. Gott und Satan stehen sich nicht auf Augenhöhe gegenüber.

Gott bleibt souverän.

Das Buch Hiob macht diese Spannung besonders deutlich. Satan greift Hiob an – aber er kann nicht grenzenlos tun, was er möchte. Sein Handeln steht unter Gottes Begrenzung.

Deshalb unterscheidet die christliche Theologie häufig zwischen dem, was Gott aktiv wirkt, und dem, was Gott in seiner Souveränität zulässt.

Diese Unterscheidung beantwortet nicht alle Fragen. Gerade bei schwerem Leid bleibt vieles für uns unverständlich. Aber sie schützt uns vor der Vorstellung, Gott habe Freude daran, Menschen krank zu machen.

Gleichzeitig dürfen wir Gottes Souveränität nicht so weit abschwächen, dass Krankheit zu einem Bereich wird, in dem Gott nichts mehr zu sagen hätte.

Die erstaunliche Botschaft der Bibel lautet vielmehr:

Gott kann sogar das, was er nicht gutheißt, in seine guten Absichten hineinnehmen.

Paulus schreibt:

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“

— Römer 8,28

Das bedeutet nicht, dass alle Dinge gut sind.

Krankheit muss nicht gut sein, damit Gott etwas Gutes daraus hervorbringen kann.


4. Warum heilt Gott dann nicht immer?

Diese Frage lässt sich nicht umgehen.

Wir sehen in der Bibel einen Jesus, der Menschen heilt. Wir werden aufgefordert, für Kranke zu beten (Jakobus 5,14–16). Gleichzeitig erleben wir – und auch das Neue Testament berichtet davon –, dass nicht jede Krankheit sofort verschwindet.

Paulus schreibt beispielsweise:

„Trophimus aber ließ ich krank in Milet zurück.“

— 2. Timotheus 4,20

Timotheus litt offenbar wiederholt unter gesundheitlichen Beschwerden, weshalb Paulus ihm einen praktischen Rat gibt (1. Timotheus 5,23).

Besonders bekannt ist der „Dorn im Fleisch“ des Paulus. Was genau damit gemeint ist, wird nicht gesagt. Deshalb sollten wir nicht mit Sicherheit behaupten, dass es sich um eine körperliche Krankheit handelte.

Entscheidend ist etwas anderes: Paulus bittet Gott dreimal darum, dieses Leiden von ihm zu nehmen. Gott tut es nicht, sondern antwortet:

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.“

— 2. Korinther 12,9

Damit hält die Bibel zwei Wahrheiten gleichzeitig fest:

Wir dürfen mutig um Heilung bitten – und wir dürfen Gott auch dann vertrauen, wenn Heilung ausbleibt.

Ein Kranker, der nicht geheilt wird, hat deshalb nicht automatisch zu wenig Glauben.

Diese Behauptung kann für leidende Menschen zu einer zusätzlichen Last werden, die die Bibel ihnen nicht auferlegt.


5. Ist Krankheit manchmal eine Folge persönlicher Sünde?

Auch hier braucht es Differenzierung.

Die Bibel lehnt den Automatismus ab:

Krankheit = persönliche Sünde.

Beim Blindgeborenen fragen die Jünger Jesus:

„Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“

— Johannes 9,2

Jesus antwortet:

„Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern.“

— Johannes 9,3

Damit durchbricht Jesus ein Denken, das hinter jedem Leiden eine konkrete persönliche Schuld sucht.

Gleichzeitig kennt die Bibel durchaus Situationen, in denen sündiges Verhalten körperliche Folgen haben kann. Paulus spricht beispielsweise im Zusammenhang mit dem unwürdigen Umgang mit dem Abendmahl davon, dass einige in Korinth „schwach und krank“ seien (1. Korinther 11,27–30).

Auch ganz praktisch können unsere Entscheidungen gesundheitliche Konsequenzen haben.

Deshalb ist die richtige Antwort weder:

„Krankheit hat niemals etwas mit persönlicher Sünde zu tun.“

noch:

„Wenn du krank bist, musst du herausfinden, welche Sünde dahintersteckt.“

Stattdessen braucht es Demut und geistliche Unterscheidung.


6. Was ist mit Johannes 9: „damit die Werke Gottes offenbar werden“?

Die Geschichte des Blindgeborenen wird manchmal so verstanden, als hätte Gott den Mann absichtlich blind gemacht, damit Jesus später an ihm ein Wunder tun könne.

Das ist jedoch nicht zwingend die Aussage des Textes.

Der Schwerpunkt von Jesu Antwort liegt zunächst darauf, die Schuldfrage der Jünger zurückzuweisen. Sie wollen wissen: Wer ist schuld?

Jesus lenkt ihren Blick weg von der Vergangenheit hin zu dem, was Gott jetzt tun möchte.

Das ist ein wichtiges seelsorgliches Prinzip.

Wir werden nicht auf jede Frage nach dem Warum eine Antwort bekommen.

Aber wir können fragen:

„Gott, was möchtest du jetzt in dieser Situation tun?“

Manchmal erleben wir Heilung. Manchmal erfahren wir Kraft zum Durchhalten. Manchmal verändert Gott Beziehungen, Prioritäten oder unseren Charakter. Und manchmal bleiben Fragen offen.


7. Drei Irrtümer, die wir vermeiden sollten

„Krankheit ist immer Gottes Strafe.“
Nein. Jesus widerspricht einer solchen pauschalen Verbindung zwischen persönlicher Schuld und Leiden.

„Wenn jemand nicht geheilt wird, fehlt ihm Glauben.“
Nein. Auch glaubensvolle Menschen des Neuen Testaments kannten Krankheit und körperliche Schwachheit.

„Wenn Gott Krankheit zulässt, sollten wir sie einfach akzeptieren und nicht um Heilung beten.“
Auch das entspricht nicht dem Neuen Testament. Jesus heilte Kranke, und Jakobus fordert die Gemeinde ausdrücklich zum Gebet für Kranke auf.

Deshalb gehören Gebet und Medizin nicht gegeneinander ausgespielt.

Wir dürfen für ein Wunder beten und gleichzeitig zum Arzt gehen. Wir dürfen Medikamente nehmen und gleichzeitig darauf vertrauen, dass Gott heilt. Beides widerspricht sich nicht.


Wie gehen wir als Christen mit Krankheit um?

Ich glaube, eine gesunde biblische Haltung verbindet drei Dinge:

Wir beten mutig um Heilung

Weil Jesus Menschen geheilt hat und weil Gottes Reich ein Reich des Lebens ist, dürfen wir voller Erwartung für Kranke beten.

Wir müssen Krankheit nicht schönreden.

Wir dürfen Gott bitten, einzugreifen.

Wir bleiben demütig, wenn Heilung ausbleibt

Wir kennen nicht alle Gründe für Leiden.

Deshalb sollten wir Kranken keine einfachen Erklärungen überstülpen. Manchmal ist die geistlichste Antwort nicht eine Erklärung, sondern unsere Gegenwart:

beten, zuhören, mitweinen, helfen und gemeinsam aushalten.

Wir leben aus der Hoffnung auf die Auferstehung

Die größte christliche Hoffnung besteht letztlich nicht darin, dass wir in diesem Leben niemals krank werden.

Selbst jeder Mensch, den Jesus heilte, ist irgendwann gestorben.

Die endgültige Antwort Gottes auf Krankheit ist deshalb größer als körperliche Heilung im Hier und Jetzt.

Sie heißt Auferstehung.

Die Bibel endet mit einer Welt, in der das, was mit dem Sündenfall begann, endgültig überwunden ist:

„Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“

— Offenbarung 21,4

Das ist die christliche Hoffnung.

Wir beten heute um Heilung.
Wir nutzen dankbar medizinische Hilfe.
Wir widerstehen dem, was Leben zerstört.
Wir begleiten Menschen, wenn Heilung ausbleibt.
Und wir wissen: Krankheit bekommt nicht das letzte Wort.

Das letzte Wort gehört Jesus und der Auferstehung.